CleverSphere

Lernmethode

Active Recall

Wissen aus dem Kopf abrufen statt Skripte wiederlesen: eine der am besten untersuchten Lernmethoden.

6 Min. Lesezeit

Was ist Active Recall?

Active Recall (auf Deutsch etwa „aktives Abrufen“) heißt: Du versuchst, Wissen aus dem Gedächtnis hervorzuholen, bevor du nachschaust. Statt die Folie zum dritten Mal zu lesen, deckst du sie ab und fragst dich: Was waren die drei Voraussetzungen? Wie lautet die Formel? Warum gilt das?

Das fühlt sich anstrengender an als Wiederlesen, und genau das ist der Punkt. Jeder erfolgreiche Abruf stärkt die Erinnerung, und jeder gescheiterte zeigt dir eine Lücke, die du sonst erst in der Prüfung bemerkt hättest.

Was die Forschung zeigt

In einer bekannten Studie von Roediger und Karpicke (2006) lernten Studierende Sachtexte entweder durch mehrmaliges Lesen oder durch Lesen und anschließendes freies Abrufen. Fünf Minuten danach schnitt die Lese-Gruppe leicht besser ab. Nach zwei Tagen und nach einer Woche hatte sich das Bild umgedreht: Wer abgerufen hatte, erinnerte sich deutlich besser.

Karpicke und Blunt (2011) verglichen Abrufen mit dem Erstellen von Concept Maps, einer aufwendigen und beliebten Methode. Auch hier lernten die Studierenden mit Abrufübungen mehr, sogar bei Aufgaben, die nach Verständnis statt nach Auswendiggelerntem fragten.

Eine große Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kollegen (2013) bewertete zehn verbreitete Lerntechniken. Üben mit Tests (practice testing) gehörte zu den beiden Methoden mit dem höchsten Nutzen. Wiederlesen und Markieren landeten unten.

Wiederlesen fühlt sich gut an, weil der Stoff vertraut wirkt. Vertrautheit ist aber nicht dasselbe, wie ihn in der Prüfung selbst abrufen zu können.

So wendest du Active Recall im Studium an

  1. 1

    Erst lesen, dann zuklappen

    Arbeite einen Abschnitt des Skripts einmal konzentriert durch. Danach Skript zu und alles aufschreiben oder laut sagen, was du noch weißt.

  2. 2

    Fragen statt Zusammenfassungen schreiben

    Formuliere aus jedem Abschnitt Fragen: „Welche drei Arten von … gibt es?“ statt einer abgeschriebenen Liste. Die Fragen sind später dein Übungsmaterial.

  3. 3

    Antworten, dann prüfen

    Beantworte jede Frage zuerst vollständig aus dem Kopf, auch wenn du unsicher bist. Erst danach vergleichst du mit dem Skript und korrigierst.

  4. 4

    Falsches gezielt wiederholen

    Was du nicht wusstest, kommt in die nächste Runde. Was sicher sitzt, wiederholst du seltener (siehe Spaced Repetition).

  5. 5

    Prüfungsnah üben

    Nutze Altklausuren oder Übungsaufgaben unter echten Bedingungen: ohne Unterlagen, mit Zeitlimit.

Typische Fehler

  • Zu früh nachschauen: Der Nutzen entsteht beim Versuch, nicht beim Lesen der Lösung. Gib dir ein paar Sekunden mehr.
  • Nur Fakten abfragen: Frage auch nach dem Warum und nach Zusammenhängen, sonst übst du nur Auswendiglernen.
  • Abrufen nur einmal: Ein Abruf direkt nach dem Lernen hilft, mehrere über Tage verteilt helfen deutlich mehr.
  • Fehler ignorieren: Gerade die Fragen, die du nicht beantworten konntest, sind die wertvollsten.

So macht es CleverSphere

Lade dein Skript hoch, und CleverSphere erstellt daraus Karteikarten und offene Abfragefragen. Im Active-Recall-Modus beantwortest du die Fragen in eigenen Worten und bekommst eine Rückmeldung, was gefehlt hat. Probeprüfungen aus deinem Stoff üben das Abrufen unter Prüfungsbedingungen.

Quellen

  • Roediger, H. L., & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning: Taking memory tests improves long-term retention. Psychological Science, 17(3), 249–255. doi:10.1111/j.1467-9280.2006.01693.x
  • Karpicke, J. D., & Blunt, J. R. (2011). Retrieval practice produces more learning than elaborative studying with concept mapping. Science, 331(6018), 772–775. doi:10.1126/science.1199327
  • Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students’ learning with effective learning techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. doi:10.1177/1529100612453266