Lernmethode
Spaced Repetition
Wiederholen, kurz bevor du vergisst: So bleibt Gelerntes über Wochen statt nur bis zur Prüfung.
6 Min. Lesezeit
Was ist Spaced Repetition?
Spaced Repetition (verteiltes Wiederholen) bedeutet: Du wiederholst Stoff nicht in einem Block, sondern in wachsenden Abständen. Etwas Neues schaust du schon am nächsten Tag wieder an, etwas Gefestigtes erst nach einer oder mehreren Wochen.
Die Gesamtzeit ist dabei oft gleich wie beim Pauken am Stück. Der Unterschied liegt darin, wann du lernst, und der wirkt sich stark darauf aus, wie lange du dich erinnerst.
Die Vergessenskurve
Hermann Ebbinghaus untersuchte schon 1885 an sich selbst, wie schnell wir vergessen. Sein Ergebnis, die Vergessenskurve: Ein großer Teil des Gelernten geht in den ersten Stunden und Tagen verloren, danach flacht der Verlust ab. Jede Wiederholung macht die Kurve flacher, das Wissen hält also länger.
Spätere Forschung hat das vielfach bestätigt. Eine Meta-Analyse von Cepeda und Kollegen (2006) mit Hunderten Experimenten zeigt: Verteiltes Lernen schlägt geballtes Lernen sehr zuverlässig. Eine Folgestudie (Cepeda et al., 2008) fand außerdem, dass die besten Abstände mit der Zeit bis zur Prüfung wachsen. Je länger du etwas behalten willst, desto größer dürfen die Pausen zwischen den Wiederholungen sein.
Faustregel aus der Forschung: Willst du etwas in einem Monat noch wissen, wiederhole es eher im Abstand von Tagen als von Stunden. Für die Klausur in einer Woche reicht ein kürzerer Rhythmus.
Das Leitner-System: Spaced Repetition mit Karteikarten
Der Journalist Sebastian Leitner beschrieb 1972 ein einfaches System mit Karteikästen, das bis heute verbreitet ist:
- 1
Fächer einteilen
Ein Kasten mit mehreren Fächern, zum Beispiel fünf. Alle neuen Karten starten in Fach 1.
- 2
Gewusst: eins weiter
Beantwortest du eine Karte richtig, wandert sie ein Fach weiter nach hinten.
- 3
Nicht gewusst: zurück an den Anfang
Eine falsch beantwortete Karte geht zurück in Fach 1, egal wo sie war.
- 4
Hintere Fächer seltener
Fach 1 wiederholst du täglich, Fach 2 alle paar Tage, die hinteren Fächer nur noch selten. So übst du vor allem, was du noch nicht kannst.
Typische Fehler
- Alles am Abend vor der Prüfung: Pauken bringt kurzfristig etwas, aber das Wissen ist nach wenigen Tagen großteils weg, ärgerlich bei aufbauenden Fächern.
- Zu viele neue Karten auf einmal: Neue Karten erzeugen in den Folgetagen viele Wiederholungen. Lieber täglich eine feste, kleine Menge neu dazunehmen.
- Wiederholungen ausfallen lassen: Ein paar verpasste Tage sind kein Drama, aber ein großer Rückstand frustriert. Kurze tägliche Runden halten ihn klein.
- Nur wiedererkennen statt abrufen: Spaced Repetition wirkt am besten zusammen mit Active Recall. Erst antworten, dann umdrehen.
So macht es CleverSphere
CleverSphere erstellt aus deinen Skripten Karteikarten und sortiert sie automatisch in fünf Fächer nach dem Leitner-Prinzip. Das Dashboard zeigt jeden Tag, welche Karten fällig sind. Neue Karten kommen pro Modul in einer festen Tagesmenge dazu, damit der Stapel nie überläuft, und eine Erinnerung meldet sich zur Uhrzeit deiner Wahl.
Quellen
- Ebbinghaus, H. (1885). Über das Gedächtnis: Untersuchungen zur experimentellen Psychologie. Duncker & Humblot.
- Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T., & Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin, 132(3), 354–380. doi:10.1037/0033-2909.132.3.354
- Cepeda, N. J., Vul, E., Rohrer, D., Wixted, J. T., & Pashler, H. (2008). Spacing effects in learning: A temporal ridgeline of optimal retention. Psychological Science, 19(11), 1095–1102. doi:10.1111/j.1467-9280.2008.02209.x
- Leitner, S. (1972). So lernt man lernen. Herder.
